BETH & BETH

AUS ENGLAND

Wir haben mit Beth und Beth gesprochen, zwei 23-jährigen Frauen, die ursprünglich aus Shropshire in England stammen. Die beiden hatten sich in der Schule in ihrem Heimatort kennengelernt, doch mit dem Abschluss zogen beide an unterschiedliche Enden Englands, um dort die Universitäten zu besuchen, und ihre Wege trennten sich. Vier Jahre später treffen sie sich in Berlin wieder und ziehen zusammen in eine kleine Altbauwohnung im Wedding. Beth Tilley machte sich für ein EU-gefördertes Praktikum in der Fashion-Industrie auf den Weg nach Berlin. Zwei Monate später fragte ihre Chefin, ob sie Interesse daran hätte, auch weiter für das Label zu arbeiten. Heute, anderthalb Jahre später, ist sie bei Uniqlo Teil des Teams in der Änderungsschneiderei, nachdem sie zuvor als Kostüm-Assistentin für die Produktion von „Faust“ im Berliner Ensemble gearbeitet. Beth Walrond besuchte nach ihrer Wanderung durch den Harz Freunde in Berlin. Zuvor hatte sie ihre Ausbildung an der Universität in England abgeschlossen und überlegte, was ihre nächsten Schritte sein würden. Ihr gefiel die Lebensweise in Berlin und da sie als Freelance Illustratorin überall auf der Welt leben und arbeiten könnte, entschloss sie sich kurzerhand, es doch einfach mal in Berlin zu probieren. Heute, ein Jahr später, ist sie immer noch als freie Illustratorin beruflich erfolgreich und möchte Berlin nicht mehr verlassen. Die Geschichte zweier Freundinnen, die nach vier Jahren in einem völlig anderen Land wieder zusammenfanden . . .

WAS WAREN EURE ERWARTUNGEN AN BERLIN?

Ihr hattet die Stadt ja bereits gesehen und sie gefiel euch – hattet ihr besondere Erwartungen bezüglich der neuen Kultur oder der Arbeitssituation?

Beth: Ich dachte eigentlich nur, dass es bestimmt ziemlich viel Spaß machen würde. Ich hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, dass es am Anfang, wenn man an einen neuen, unbekannten Ort umzieht, erstmal ziemlich hart sein kann. Meiner Meinung nach wäre es sicherlich noch viel schwerer gewesen, in eine Stadt wie London zu ziehen – oder auch an jeden anderen Ort abgesehen von Berlin. Natürlich gibt es immer wieder kleinere und größere Schwierigkeiten – zum Beispiel die Sprachbarriere oder auch einfach eine neue Wohnung zu finden – aber bisher war es auch eine tolle und spaßige Zeit.

Beth: Für mich war es eine allmähliche Anpassung. Ich lebte zwar schon zwei Monate hier, wusste aber eigentlich nichts von Berlin. Ich sprach damals vor meiner Abreise nach Deutschland mit einer Freundin und sie meinte „Berlin ist so eine tolle Stadt!“ und ich dachte nur „So ein Glück, weil ich eh keine Wahl habe, wo es fürs Praktikum hingeht“. Als ich dann in Berlin ankam, war ich einfach nur unglaublich beeindruckt von der Stadt und der Lebensweise der Menschen hier. Die Geschwindigkeit ist hier auf eine Art langsamer für eine Großstadt, aber gleichzeitig ist auch immer etwas los – Berlin ist sehr lebhaft – aber ja, eigentlich hatte ich gar keine Erwartungen.

WIE WÜRDET IHR EUREN HEIMATORT BESCHREIBEN?

Beth: Von dort muss man etwa eine halbe Stunde fahren, bis man in die nächste größere Stadt kommt – unser Heimatort liegt wirklich mitten im Nirgendwo.

Beth: Bei uns Zuhause sind alle Farmer oder, naja, Landeier. Unsere Partys finden in Scheunen statt, in Zelten auf dem Feld und Ähnlichem. Nach dem Abschluss habe ich allerdings drei Jahre lang in Liverpool studiert, was nochmal komplett anders ist als Berlin. Es ist eine tolle Stadt, aber ziemlich hektisch und die Straßen sind dreckig. Der Lebensstandard in Berlin ist einfach besser – es ist sauberer, grüner und nicht ganz so hektisch. Das Leben hier passt einfach viel besser zu mir, weil ich nie ein wirkliches Großstadtkind war.

HABT IHR HEIMWEH?

Beth: Ich finde es Zuhause immer sehr schön und freue mich, wenn ich dort zu Besuch bin, weil die Aussicht wirklich schön ist und die Luft immer sehr frisch. Wenn ich dann aber hierher zurückkomme, stelle ich fest, dass es auch in Berlin immer einen Park um die Ecke gibt – also fühle ich mich nicht so, als ob ich in der Großstadt gefangen wäre. Es gibt immer einen Ort, an den man gehen kann und wo man weit und breit keine Häuser um sich herum sieht. Das ist wirklich schön.

Beth: Auf eine Art ist man Zuhause auf dem Land viel isolierter, weil es einfach nichts um einen herum gibt. Du musst vorher genau darüber nachdenken, wo du hin möchtest und wie du dorthin kommst. In Berlin dagegen kannst du morgens aufwachen und spontan entscheiden, was du tun möchtest – sei es in den Park gehen oder Shoppen. Du kannst dann einfach in die Bahn steigen und innerhalb von einer halben Stunde überall in Berlin sein.

WAS IST EUER LIEBLINGSORT IN BERLIN?

Beth: Meiner ist definitiv Tempelhof. Das war einer der ersten Orte, die ich besucht habe als ich zuerst nach Berlin gezogen bin. Ich erinnere mich noch daran, wie ich zum ersten Mal auf dieses riesige Feld gelaufen bin und mir nur gedacht habe „Das ist unglaublich – unmöglich, dass man so eine große Freifläche inmitten einer Großstadt finden kann!“. Ich bin oft ums Feld gelaufen – joggen gibt einem sowieso eine besondere Energie. Ich habe in Verbindung mit diesem Ort auch immer positive Assoziationen, besonders im Sommer ist es ein toller Ort. Du kannst dich einfach irgendwo aufs Feld setzen und hast bis zur nächsten Gruppe von Leuten mehrere Meter Freifläche um dich rum. Oder du kannst dich auf eine Fläche voller Leute setzen – dort ist immer eine tolle Atmosphäre.

Beth: Für mich ist es das Maybachufer. Der Markt dort ist großartig und einfach nur dort rumzulaufen macht Spaß – besonders im Frühling ist es wunderschön dort. Einfach am von Bäumen gesäumten Kanal entlangschlendern. Und mit den fallenden Blüten sieht es immer so aus, als ob es schneien würde. Das ist wunderschön! Also ja, das ist definitiv meine Lieblingsgegend.

WIE WURDET IHR IN EMPFANG GENOMEN?

Beth: Ja, ich denke schon. Die Frau für die ich gearbeitet habe, Christina, war wie eine Mutter für mich. Ich glaube ihr ist bewusst geworden, dass ich nur nach Berlin gekommen war, um in ihrem Laden zu arbeiten. Vielleicht hat sie sich deswegen für mich verantwortlich gefühlt, ich bin mir nicht sicher. Sie hat mich und die anderen Mädels auf der Arbeit öfter zu sich nach Hause zum Essen eingeladen und war immer für mich da, wenn ich Fragen hatte. Und die Mädels, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren alle auch sehr nett und aufnahmebereit. Sie haben mich mit der Sprache unterstützt und ich habe nie den Eindruck gehabt, dass sie dachten, „Oh dieses dumme englische Mädchen“. Ich glaube, ich hatte wirklich Glück – das waren alles echt tolle Leute.

Beth: Ich glaube am ersten Abend bin ich mit Olivia ausgegangen und habe euch alle und noch viele andere tolle Leute kennengelernt. Alle waren so nett und sind auf mich zugekommen, um mit mir zu reden. Vorher, muss ich zugeben, hatte ich ziemlich Angst, weil ich dachte die Leute würden denken, ich wäre ein Idiot. Aber alle waren super freundlich und entspannt – das war echt ein guter Start.

WIE/WANN HABT IHR DEUTSCH GELERNT?

Beth: Meine Schwester wohnt tatsächlich auch in Deutschland und das war einer der Gründe, warum ich Deutschland für mein Praktikum gewählt habe, aber ich wusste nicht, wo genau ich landen würde. Ich kannte das Land ein bisschen und das wird immer ein Grund dafür sein, warum ich die Sprache lernen wollte. Ich will mit meinem Neffen kommunizieren können und bald wird meine Schwester noch ein Baby bekommen. Ich will einfach das Gefühl haben, dass ich Teil der Familie bin und es keine Sprachbarriere gibt. Ich war gerade auf der Hochzeit meiner Schwester und die Familie meinte, ich hätte meine Deutschkenntnisse verbessert und sie waren beeindruckt. Ich war überrascht, weil ich noch nicht wirklich viel dafür getan hatte. Wenn ich wirklich die Zeit investiere und einen Kurs mache, könnte ich vielleicht in einem Jahr fließend sprechen. Zumindest viel besser! (lacht) Ich habe viel davon gelernt, in verschiedenen Umgebungen zu arbeiten – im Laden wo ich im Kundenservice arbeite oder auch beim Kellnern, wo man ein anderes Vokabular erlernt. Und ich bin ziemlich gut geworden. Ich glaube, viele würden nicht automatisch erkennen, dass ich Britin bin – ich kann ziemlich gut so tun, als wäre ich eine deutsche Kellnerin. (lacht) Aber nein, es ist ehrlich gesagt sehr schwer, weil man ganz schnell ins Englische zurückfällt – und das ist echt fatal.

Beth: Ja, es ist sehr einfach faul zu sein. Ich habe deutsch in der Schule gelernt, aber wir haben nur Sätze wie “Was ist in deiner Federmappe?”, “Welche Farbe hat…” oder “Was arbeitet dein Vater?” gelernt. (lacht) Diese Sätze habe ich nicht nutzen können, aber ich kann schon einiges verstehen und ein bisschen reden. Umgangssprachliches Deutsch ist eine komplett andere Sache – das finde ich sehr schwer. Zum Beispiel wenn man auf eine Party geht und jemandem etwas anvertrauen will, ist das nicht einfach. Ich kann sagen “Hi mein Name ist Beth, ich komme aus…”, aber das ist dann auch schon alles. Dann finde ich mich auf Deutsch echt langweilig. Du musst also einfach alles enthusiastisch sagen und hoffen, dass das genug ist. (lacht) In meinen ersten WGs hier waren alle Deutsche und dann konnte ich mit denen und ihren Freunden rumhängen. Aber jetzt wohne ich mit dir zusammen, Beth. (beide lachen) Sogar wenn man am Anfang versucht deutsch miteinander zu sprechen, fällt man wieder schnell ins Englische zurück, wenn man die Person besser kennenlernt und einfach so viele Geschichten miteinander teilen möchte.

Beth: Ja, es ist schwer, seine Persönlichkeit in einer anderen Sprache zu zeigen. Und wenn man nur quatschen will, wechselt man schnell ins Englische. Ich versuche aber deutsches Radio zu hören und ein paar mehr Filme auf Deutsch zu gucken – das ist auf jeden Fall sehr hilfreich.

Beth: Es ständig im Ohr zu haben hilft – man pickt einzelne Wörter heraus. Und es ist sehr schön, wenn man merkt, dass man alles verstanden hat. Ich habe letzte Woche einen deutschen Film im Kino geguckt und habe tatsächlich verstanden, worum es geht. Ich kam nach Hause und mein Gehirn war totaler Matsch, aber es war auch ziemlich zufriedenstellend. Ich weiß nicht, wie ihr euch die ganzen Artikel merkt. Jetzt sage ich immer “die” zu allem – letztens habe ich gemerkt, dass ich das mache. Alles ist jetzt weiblich. (lacht)

WAS IST FÜR EUCH TYPISCH DEUTSCH?

Beth: Ich finde es toll, dass man nur komisch angeguckt wird, wenn jemand einen am Bahnhof oder anderswo anrempelt – in England würde man sich entschuldigen. Und obwohl die Person dich angerempelt hat, entschuldigst du dich auch. Ich weiß nicht, ob das typisch deutsch ist, aber mir gefällt das. Jetzt entschuldige ich mich nicht mehr so oft für Sachen, die ich nicht gemacht habe. (lacht)

Beth: Deutsche sind tatsächlich sehr ehrlich. Es gibt kein “Das sollte ich nicht sagen” oder “Das könnte irgendwen verärgern”. Ihr sagt, was euch auf dem Herzen liegt, und das ist sehr gut. Engländer sind zu höflich und statt nein zu sagen, wenn sie nicht wollen, machen sie trotzdem mit. Viele Deutsche, die ich kennengelernt habe, sagen, wenn sie irgendwas nicht machen wollen und es ist ihnen egal, wie es dir dabei geht. Ich finde das besser, weil man dann wenigstens weiß, woran man ist.

Beth: Noch etwas: Wenn einem etwas angeboten wird, nimmt man es in Deutschland an. In England sagt man immer “Nein nein!”. Wenn dir ein Stück Schokotorte angeboten wird, sagst du nein danke, obwohl du die Torte anstarrst und Du Dich vor Appetit verzehrst. Also ja, die Deutschen kriegen, was sie wollen. (lacht)

WAS IST TYPISCH FÜR EURE HEIMATSTADT?

Beth: Ich denke immer ans Essen. Würstchen sind auch aus England. Wir haben ein Wurst-Festival, eine ganze Wurst-Meile. Man geht durch die Stadt zu verschiedenen Schlachtereien und probiert die besten Würstchen. Außerdem gibt es eine große Pub-Kultur – man geht an kalten Abenden in den Pub, sitzt vorm Kamin und trinkt Bier. Vielleicht spielt noch jemand Gitarre in der Ecke, aber keiner hört wirklich zu – man genießt einfach die Anwesenheit der anderen und quatscht. Es ist die ganze Atmosphäre, nicht nur die Musik. Die Bauern schätzen ihr Land und ihre Häuser sehr. Meine Mutter hat letztens ein neues Haus gekauft und ich glaube in England ist es viel wichtiger, ein Haus zu kaufen, da es eine feste Einkommensquelle ist. Natürlich kaufen die Leute hier auch Häuser – ich kenne die Zahlen nicht, aber vielleicht mietet der Großteil noch? Ich weiß nicht, aber es ist definitive andersherum in England – sehr wenige mieten.

VERLASSEN VIELE JUNGE MENSCHEN EUER HEIMATLAND?

Beth: Die Leute in unserem Alter würden da nicht hinziehen. Sie ziehen nur weg, aber viele bleiben auch. Ich glaube ungefähr dreiviertel der Leute, die ich aus der Schule kannte, sind noch in der Gegend. Es gab natürlich auch die, die ein bisschen seltsam waren in der Schule – diejenigen, die die coolen Kids komisch fanden, aber die jetzt weggezogen sind und interessante Sachen machen.

Beth: Das stimmt! Die coolen Kids bleiben und dann denkt man “Naja, dein Leben ist langweilig” (lacht). Und die Komischen ziehen weg.

Beth: Wir mussten wegziehen, weil wir nicht akzeptiert wurden. (beide lachen)

Beth: Ja, das ist echt witzig. Ich habe immer noch Freunde zuhause, aber ihr Leben ist jetzt so anders, dass ich es fast schwer finde, mich mit ihnen zu unterhalten. Wir waren gute Freunde als wir jünger waren, zusammen aufgewachsen sind und alle das gleiche Umfeld hatten – jetzt wirken sie fast älter als wir. Aber sie scheinen glücklich zu sein mit dem, was sie haben.

Beth: Jedes Mal, wenn ich zu Besuch war, haben sie alle über Babynamen geredet. Es war angsteinflößend und ich dachte: “Ich bin noch nicht bereit für diese Unterhaltungen”. (lacht)

WIE OFT FLIEGT IHR NACH HAUSE?

Beth: Ich habe versucht, zu jedem Geburtstag in meiner Familie zurückzufliegen – vielleicht vier oder fünfmal im Jahr. Es ist recht einfach dorthin zu fliegen, was schön ist. Es dauert nur ein paar Stunden.

Beth: Ja ich fliege gerne nach Hause. Meine Familie scheint zu glauben, dass ich weit weg wohne. Meine Mutter ist bis vor einem Jahr nie geflogen – sie ist so gesehen ein bisschen altbacken. Ich glaube, sie hat vielleicht das Gefühl, dass ich sie verlassen habe. Ich werde zurückkehren, aber sie sieht Europa nicht als Einheit – eher als Großbritannien und Europa.

Beth: Meine Eltern sagen immer “Europa” und dann muss ich sagen: “Ihr seid auch in Europa!”. (lacht)

WAS MÖGT IHR AN DEN DEUTSCHEN?

Beth: Die Leute sind so nett. Es dauert etwas länger, jemanden kennenzulernen, aber dann hat man einen Freund fürs Leben. Die Deutschen sind die nettesten Menschen, wenn du mit ihnen befreundet bist. Sehr fürsorglich und ehrlich. In England ist es so, dass man die Straße herunterspaziert und alle einander anlächeln und sich grüßen – außer in London vielleicht. Aber auf dem Dorf fragt man “Wie geht’s dir?”, und du glaubst alle sind wirklich freundlich. Aber du bist denen nicht wirklich wichtig. In Deutschland denkt man, dass alle verschlossener sind, und man hat das Gefühl, dass es schwieriger ist Leute gut kennenzulernen – aber wahrscheinlich ist das gar nicht.

WAS MACHT IHR BEI HEIMWEH?

Beth: Erstmal Tee kochen (lacht). Was ich tatsächlich mache ist Fleetwood Mac hören, wenn ich Heimweh habe, weil es mich total an meine Mutter erinnert. Sie hat beim Putzen immer Fleetwood Mac gespielt und ich habe mitgesungen.

Beth: Ich hatte noch kein Heimweh seit ich hier bin. Außer die paar Male, als meine Eltern sich nach einem Besuch hier wieder verabschiedet haben. Das Verabschieden am Flughafen ist immer schrecklich, egal wer es ist. Meistens höre ich danach ein paar traurige Lieder auf dem Weg nach Hause – aber wenn ich dann zuhause bin ist alles wieder ok.

Beth:  Ich vermisse mein Zuhause nicht genug, glaube ich. Manchmal bin ich überrascht, dass ich es nicht mehr vermisse. Aber vielleicht ist es so, weil ich meine Zeit in Berlin als eine Lebensphase sehe, während die Leute zuhause denken: “Sie ist jetzt für immer weg!”. Meine Familie glaubt, dass ich weg bin, aber ich tröste sie immer und sage, dass ich irgendwann wiederkomme. Es ist auch eine Lebensphase, wo man selbständiger sein und mehr über sich selbst herausfinden soll. Mit unterschiedlichen Menschen Zeit verbringen, herausfinden, wer man ist, und was man mit seinem Leben machen will. Es ist ziemlich schwer, wenn deine Familie immer um dich herum ist, und deine Eltern dich dazu überreden wollen, eine bestimmte Sache zu machen oder einen bestimmten Job anzunehmen. Wenn du dein eigenes Ding machen und dich vom Leben überraschen lassen kannst, ist es fast besser. Manchmal braucht man die Distanz.

GAB ES SCHON GROSSE MISSVER-
STÄNDNISSE?

Beth: Ich habe ganz lange “gleichwise” gesagt. Ich habe das Wort ständig benutzt und war ganz stolz auf mich.

Beth: Ich glaube, ich sage ganz viele Sachen falsch, und das voller Begeisterung. Die Leute gucken mich dann ganz verwirrt an. Ich kann mich daran erinnern, dass ich einmal gesagt habe: “Ist es nicht toll, dass gleichwise fast genauso ist wie ‚likewise‘ auf Englisch?!” und sie nur meinte: “Nein, ist es nicht”. (beide lachen)

Beth: Ich habe es überschwänglich zu einer Frau in einer Bäckerei gesagt und dann fragte Beth: “Was zum Teufel redest du?” und ich antwortete: “Gleichwise, wie du es mir gesagt hast” und sie erwiderte nur: ”Nein, es ist gleichfalls!”.

Beth: Die Zeitrechnung ist auch besonders schwer. Ihr sagt halb eins für 12:30 und wir sagen ‚halb nach zwölf‘. Es ist immer schwer. Am Telefon verstehe ich die Leute auch oft falsch. Es ist auch ziemlich unangenehm, wenn man in der Bahn von Deutschen angemacht wird und sagen will, dass man kein Interesse hat. Das ist immer eine blöde Situation – ich will ja nicht unhöflich sein. Einmal war ein Typ mit uns im Zug und wir haben so getan, als wären wir Französinnen, damit er uns in Ruhe lässt. Blöd nur, dass er auch französisch sprechen konnte und wir nur hilflos dachten: “Welche Sprache kannst du nicht sprechen?!”. (beide lachen)

Beth: Er war echt merkwürdig.

Beth: Mir kommt es so vor, als würden dir solche Sachen ständig passieren.

VERMISST IHR HEIMISCHES ESSEN?

Beth: Meine Mutter schickt mir immer wieder Marmite – eine Speise, die ich sehr liebe.

Beth: Und meine Oma schickt mir Tee. Roast Dinners am Sonntag waren außerdem eine große Sache in meiner Familie – das vermisse ich schon. Auf der anderen Seite gibt es viele schöne Sachen, die man in Berlin an einem Sonntag machen kann. in Shropshire haben wir den ganzen Tag damit verbracht, Essen vorzubereiten und mit der Familie rumzuhängen – was natürlich auch sehr schön ist. Aber hier in Berlin gibt es Flohmärkte oder man kann spazieren gehen und überhaupt ist die Atmosphäre sonntags sehr schön. Es ist besser als in England.

Beth: Berlin ist toll, es ist wirklich besser. Ich schätze, wenn wir an einem anderen Ort leben würden, würden wir nicht unbedingt das gleiche machen und würden vieles von zuhause vermissen. Es gibt hier so viele spannende Sachen zu tun – Dinge, zu denen ich woanders nie gekommen wäre. Das Essen ist auch unglaublich – Falafel ist so gut! Also vermisse ich nichts wirklich.

FÜHLT IHR EUCH INTEGRIERT?

Beth: Es ist definitiv sehr anders vergleichen mit der Zeit kurz nach meiner Ankunft. Ich kann mich daran erinnern, dass ich die Straße runtergelaufen bin und Angst hatte. Ich stellte mir vor wie schrecklich es wäre, wenn jemand mich nach dem Weg fragen würde und ich nicht antworten könnte. Ich hätte bestimmt einfach “I’m sorry” sagen können und es wäre total ok gewesen, aber weil ich wusste, dass ich ab jetzt hier lebe, fühlte ich mich sehr separat von der Stadt. Wenn ich jetzt angesprochen werde, kann ich helfen und ich fühle mich nicht mehr so am falschen Platz. Jetzt habe ich wirklich das Gefühl, zuhause zu sein!

WOVOR HABT IHR ANGST?

Beth: Hmm… ich habe ein bisschen Angst vor den großen Parks im Dunkeln.

Beth: Das hört sich vielleicht etwas tiefgründig an, aber ich habe Angst, die Verbindung zu meiner englischen Familie zu verlieren. Ich denke, sie müssen mich einfach öfter besuchen! Ich möchte, dass sie nachvollziehen können, wie das Leben hier ist. Ich habe das Gefühl, dass ich gemeinsame Zeit mit meiner Mutter und Schwester verpasse. Sie leben im gleichen Haus und ich weiß, dass ich gelangweilt wäre, wenn ich da wäre, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass ich die kleinen Dinge verpasse – die Unterhaltungen und andere ganz alltägliche Dinge. Jedes Mal, wenn man sich dann sieht, muss man sich beeilen, alles zu erzählen, und es ist einfach nicht dasselbe.

Beth: Ich bin ab und zu genervt, wenn meine Eltern mir erzählen, dass sie Leute zum Essen eingeladen haben und dass meine Geschwister zu Besuch sind. Ich wünschte, sie würden mich auch einladen, obwohl ich natürlich absagen müsste. Ich will immer noch ein Teil ihrer Leben sein.

Beth: Dafür gibt es dann wenigstens Skype, FaceTime und WhatsApp.

ROSALINDA & ROSALINE

VON DEN PHILIPPINEN

Ärmliche Verhältnisse und keine Zukunft für junge Leute – so beschreibt Rosalinda Nolasco-Jecht die Situation in ihrer Heimat, den Philippinen. Deshalb entschloss sie sich mit 19 Jahren nach Deutschland auszuwandern, ohne deutsche Sprachkenntnisse und ohne vorher jemals überhaupt in einem Flugzeug gesessen zu haben. In einer Kochschule lernt sie nach und nach sich auf Deutsch zu verständigen und trifft schließlich auch auf ihren heutigen Mann. Mit ihm ging sie für einige Zeit zurück auf die Philippinen, um nach dem Mauerfall nach Deutschland zurückzukehren. Diesmal lautet das Ziel: Berlin. Doch die Arbeitssuche gestaltet sich wieder als schwierig. „Auf den Philippinen habe ich nicht so viel gelernt. Ich habe nur einen Hauptschulabschluss und zwei zusätzliche Jahre und dann kam ich nach Deutschland. Doch für Deutschland ist das ein zu geringer Bildungsgrad, sodass ich hier nur Kurzarbeitsstellen oder Hoteljobs bekam, bevor ich hier vor einem Jahr mein Restaurant ’Pinoy’ eröffnete.“ Trotz allem ist Rosalinda sehr zufrieden in ihrer neuen Heimat. „Der Deutsche gibt schon viel Hilfe. Die armen Leute bekommen zum Beispiel Hartz 4. Ich glaube, wir können nicht meckern.“

TYPISCH DEUTSCH, TYPISCH FILIPINO

Pünktlichkeit, Disziplin. Das sind die Deutschen, sagt Rosalinda Nolasco-Jecht. Ihre 17-jährige Tochter Rosaline spricht von den Filipinos als ein sehr freundliches und offenes Volk. „Als ich das letzte Mal auf den Philippinen war, haben mich meine Verwandten sofort in den Arm genommen, obwohl sie mich gar nicht kannten.“ Durch ihr Restaurant in Berlin-Charlottenburg bringt die Familie einen kleinen Teil typisch heimischer Kultur nach Deutschland. „Wir essen sehr viel Fisch und Reis aber auch sehr deftiges Essen“, erzählt Mutter Rosalinda. Was das typisch deutsche Essen betrifft hat Tochter Rosaline ihren ganz eigenen Favoriten: „Früher hat mein Papa ganz viel Schnitzel und Kartoffelpüree gemacht. Manchmal hab ich auch richtig Lust auf Kartoffelpüree, weil ich den Reis nicht mehr sehen kann.“

DEUTSCHLAND UND SEIN SYSTEM

„Chaotisch und schwer aufgebaut“ – so beschreibt Rosaline das deutsche politische System. Für sie könnte alles viel simpler und einfacher sein. Als Beispiel nennt sie Ämter. „Sie erwarten von uns alles immer schnell und zackig zu machen, aber arbeiten selber so langsam.“ Fast immer müsse man sehr lange warten, um seinen Antrag bearbeitet zurückzubekommen. In die Politik will Rosaline selbst trotz allem jedoch nicht. Sie interessiert sich sehr für die soziale Arbeit. Sozialpädagogik ist ihr Stichwort. „Ich will mit Jugendlichen arbeiten, weil ich merke, dass dort viel zu wenig gemacht wird. Die Generation von heute verkommt immer mehr.“ Von kleinen Kindern die Schimpfwörter benutzen, die sie selbst nicht mal in den Mund genommen hätte, bis zum fehlenden Respekt gegenüber Erwachsenen und anderen Mitmenschen – Rosaline möchte sich nicht nur für ihre eigene Generation engagieren sondern auch für die, die kommt und Vorurteile aus dem Weg räumen. Denn sie musste selbst am eigenen Leib erfahren, wie es ist, Opfer von Fremdenhass zu werden. Rosaline ist jedoch eine der wenigen, die einen Weg gefunden haben, sich dagegen zu wehren und sich den Konflikten zu stellen und sie zu hinterfragen. „Man muss die Menschen dazu pushen und selber den Mund aufmachen. Man darf nicht schweigen. Ich bin stolz darauf,
Filipina zu sein
und trotzdem habe ich einen deutschen Teil.“

ERSTE EINDRÜCKE VON DER NEUEN HEIMAT

Nicht nur kalt, sondern auch verwirrend war es für Rosalinda, als Sie das erste Mal nach Deutschland kam. „Ich hatte keine richtige Jacke. Ich hatte mir vorgestellt, dass es kalt wird, aber nicht so kalt.“ Um sich gegen die Kälte zu schützen, fing Rosalinda an, ein Kopftuch zu tragen. So machten es viele Münchener Frauen schließlich auch. „Ich habe gedacht, dass das hier vielleicht so Mode ist.“ Erst als eine Freundin sie auf darauf ansprach und sie darauf hinwies, dass nur die türkischen Frauen ein Kopftuch tragen, verstand Rosalinda ihren Irrtum. Auch mit dem öffentlichen Nahverkehr gab es einige Startschwierigkeiten. „Ich wollte mit dem Bus fahren und habe dem Busfahrer meinen Daumen ausgestreckt. So macht man das bei uns auf den Philippinen. Aber der Busfahrer hat mir nur gewunken und ist an mir vorbeigefahren.“ Unter Lachen erzählt sie, dass ihr dann erst gesagt wurde, dass man sich an eine Bushaltsetelle stellen muss.

HEIMWEH NACH BERLIN

Für Rosaline ist Berlin ihr Zuhause. Wenn sie in den Urlaub fährt oder Verwandte in Süddeutschland besucht „zählt sie die Sekunden bis sie nach Hause kann“. Aber nicht nur Berlin, sondern Deutschland im Allgemeinen ist für Rosaline und ihre Mutter zur zweiten Heimat geworden. Das Leben ist durch viele angenehme Dinge geprägt – das Gesundheitssystem, die Unterstützung des Staates bei Arbeitslosigkeit. Auch das Schulsystem und der Arbeitsmarkt werden, vor allem von Rosaline, geschätzt. „Man kommt echt gut durch, wenn man sich anstrengt. Wenn man in Deutschland um Hilfe bittet, dann bekommt man auch Hilfe.“

JAKOB

AUS JUGOSLAWIEN

DIE FLUCHT

Seit dem 17. Jahrhundert gab es große Bevölkerungsgruppen, die von Deutschland (überwiegend schwäbische Gegenden an der Donau) in die Länder der Stephanskrone auswanderten, diese wurden Donauschwaben (selten auch Donaudeutsche) genannt. Unter diesen Menschen befanden sich auch die Vorfahren von Jakob Weinreich, welchen wir am 28.10.2015 per Skype treffen durften. In Folge des Ersten und des Zweiten Weltkrieges wurden immer wieder Donauschwaben aus Österreich-Ungarn und Jugoslawien ausgebürgert. Im Jahr 1941 musste auch Jakob (geboren am 04.04.1936) seine Heimat in Osijek verlassen. Mit dem Zug ging die Reise mit seiner 7 Jahre älteren Schwester Elisabeth und seinen Eltern Magdalena und Anton zuerst nach Salzgitter in ein Flüchtlingslager. Es bleibt allerdings umstritten, ob es sich wirklich um ein Flüchtlingslager oder ein Gefangenenlager handelt, da es nie Ziel war, die Menschen im Lager irgendwo in Deutschland oder anderswo unterzubringen. Als Staatenlose ging es im Jahr 1944 weiter nach Braunschweig, wo sie ab 1945 auch wieder in einem Flüchtlingslager, wie bereits zuvor, mit 6 weiteren Familien ein Zimmer bewohnten. Hier durften die Geschwister nun auch zu einer deutschen Schule gehen, was kein Problem für die beiden darstellte, da sie dreisprachig mit Deutsch, Kroatisch und Ungarisch aufwuchsen. 1947 hat die Flüchtlingsfamilie es dann endlich geschafft den Lagern zu entfliehen und sie zogen nach Norddeutschland, auf einen Hof zwischen Binnendiek und Butendiek bei Brake. Jakob bewohnte mit Schwester, Mama und Papa eine Scheune mit vier Heuballen, welche als Betten dienten. Im Gegenzug für Kost und Logis molk der damals 11 Jährige zwei Mal täglich 70 Kühe für den Bauern. Magdalena fühlte sich sehr unwohl durch die Unterbringung auf dem Hof und auch im Ort wurde kein gutes Wort an der Familie gelassen. Daraufhin überließ ein anderer Bauer, dessen Hof sich näher an der Stadt und damit auch an der für die Mutter so wichtigen katholischen Kirche befand, der Familie eine Unterkunft mit eigenen Zimmern für beide Kinder. 1950 war es dann endlich soweit und eine große Chance eröffnete sich den Donauschwaben. Sie kauften Tickets für ein Schiff, welches am Morgen in die Vereinigten Staaten aufbrechen sollte. Familie Weinreich hatte alle Koffer gepackt und war bereit zum Aufbruch, als ihnen die Information gegeben wurde, dass sie auch in den Süden ins Schwabenland ziehen könnten. Da der Ursprung der Donauschwaben auch dort war, beschlossen sie wie viele andere auch, nach Süddeutschland aufzubrechen. 1950 ging es dann nach Hechingen (50 km südlich von Stuttgart) in ein Auffanglager, von wo aus sie in ein Flüchtlingsheim im kleinen Nachbarort Rangendingen gebracht wurden. Lange blieb die immer noch staatenlose Familie aber auch dort nicht. Bereits ein Jahr später gelang es ihnen endlich, durch einen Bekannten ein Haus im kleinen Dorf Hechingen-Stein zu beziehen, wo sie endlich sesshaft wurden. Nach 10 Jahren hatte der damals 15 jährige Jakob nun endlich wieder ein richtiges zu Hause. In Stein blieb er auch bis heute, wo er nach 56 Jahren immer noch glücklich verheiratet mit seiner Frau Christina lebt.

RASSISUS UND INTEGRATION

Auf seiner Flucht erlebte Jakob Weinreich vermutlich mehr als einem Jungen in seinem Alter zuzumuten wäre. Bereits bei seiner Ankunft in Braunschweig wurde er mit der deutschen Ideologie der Nationalsozialisten konfrontiert. Er musste sich daran gewöhnen seine Lehrer am Morgen mit „Heil Hitler“ zu begrüßen, was ihm sehr befremdlich vorkam. Eines Tages bekam er endlich einen jungen Lehrer, welcher sich diesen Regeln widersetze und den Schülern erklärte, er will morgens nur ein „Guten Morgen“ von ihnen hören. Dies ging für ein paar Monate gut, bis der Lehrer dann auf einmal verschwand und den Kindern erklärt wurde, er wäre nun an der Front. Als Staatenloser der von einer Stadt zur anderen zog, blieben Hänseleien natürlich auch nicht aus. So war er es gewohnt von Gleichaltrigen und Klassenkameraden „Zigeuner“ genannt zu werden. Eines Tages nahm es solche Überhand, dass auch Jakob es nicht mehr ertragen konnte und er wehrte sich körperlich gegen einen Mitschüler. Als die Mutter des Mitschülers jedoch mit einer Klage drohte, setzte sich der junge Lehrer aus Braunschweig für den Flüchtlingsjungen ein und drohte mit einer Gegenanzeige. Bis heute vergisst Jakob nicht, welchen Einsatz er von seinem Lehrer erfahren hat und wie schlimm es war, was ihm dafür widerfahren ist. Auch nachdem er sich in seinem neuen zu Hause etabliert hatte und sesshaft wurde, blieb er nicht von Rassismus verschont. Der Vater seiner zukünftigen Frau wollte nicht, dass seine Tochter Christina einen Flüchtling heiratete, weswegen sie 1957 für ein Jahr in der Schweiz bei Verwandten lebte, in der Hoffnung, dass die Verbindung der Beiden diesem nicht standhalten würde. Nachdem Karl (Christinas Vater) aber bemerkte wie Jakob an seiner großen Liebe festhielt und er auch in Briefen seiner Tochter lesen musste, wie sehr sie ihn vermisste und liebte, kam sie zurück und die beiden konnten 1959 endlich heiraten. Auf Karls Verlangen, nahm Jakob für die zukünftigen Kinder, zur Hochzeit auch endlich die deutsche Staatsbürgerschaft an.

ÄNGSTE

Auf der langen Reise war die Angst natürlich nicht fern. Im Gegensatz zu den meisten anderen Immigranten hatte Jakob allerdings nie Angst vor dem fremden Land oder dem was ihn dort erwarten würde, sondern vor dem Zustand in dem sich die Welt und besonders Europa befand. Der Krieg hinterließ seine Spuren auch in der Familie Weinreich. So überlebte leider keines der fünf Geschwister, die in der Zeit der Flucht zur Welt kamen. Jakob war schon immer eine gebende Seele und als er eines Tages einem Mann, der dem Krieg zum Opfer gefallen war, ein Stück Brot gegeben hatte, berichtete dies ein Nachbar und behauptete, das Brot wäre von seiner Mutter gekommen. Zu dieser Zeit war es verboten, Kriegsgefangenen Essen oder sonstiges zu geben, weswegen Magdalena ein Jahr in einem Gefangenenlager verbringen musste, wo sie täglich verprügelt und misshandelt wurde. Auch Jakobs Cousine wurde acht Jahre in einem Bergbau gegen ihren Willen festgehalten, wo sie nicht ein einziges Mal das Tageslicht zu Gesicht bekam. Jakob war derjenige, dem es gelang die Cousine ausfindig zu machen und sie mit Hilfe des Roten Kreuzes endlich zu befreien. Sie lebte dann nur wenige Kilometer von der Familie entfernt und war für immer dankbar für die Hilfe die der damals noch sehr junge Jakob geben konnte. Während der Reise verbrachten sie jede Nacht in Bunkern, um den Bomben zu entgehen und auf Zugfahrten durften sie den Zug nicht verlassen, da die Bombensplitter draußen tödlich sein konnten. Er erinnert sich auch noch, wie seine Schwester ihre Kittelschürze über seinen Kopf legte und ihn blind durch die Stadt führte, damit er nicht sehen musste, wie die Leute unter Schüssen und Bomben ums Leben kamen. Angst war für ihn ein ständiger Begleiter, welcher ihn bis heute nicht verlassen hat. Die Möglichkeit Osijek zu besuchen ergab sich oft, doch er kann sich nicht dazu überwinden die Reise anzutreten. Er kann nicht ausdrücken wovor genau er Angst hat, aber diese unbekannte Angst ist groß genug, um ihn seit 74 Jahren von einem Besuch in der Heimat abzuhalten.

ARBEIT

Als die Familie Weinreich endlich sesshaft wurde, nahm Jakob Fließbandarbeiten in verschiedenen Fabriken in der Umgebung an, bis er dann bei einem Schuster Arbeit fand. Hier verdiente er 1,26 Mark, während Anton nur 50 Pfennig auf dem Bau verdiente, was zwischen Vater und Sohn zur dauernden humorvollen Diskussion führte. Eines Tages wurde im Hechinger Krankenhaus Personal gebraucht und so fand Jakob endlich seine wahre Berufung als Pfleger. Er begann dort zu arbeiten und absolvierte zeitgleich eine Art Qualifikationsschein, welchen er mit Bestbewertung abschloss. Bis zum Eintritt in die Rente blieb er bei seinem Beruf und lebte in seiner Position im OP völlig auf.

ZU HAUSE

Jakob ist immer noch sehr stolz auf seine Herkunft, aber ist überaus dankbar in Deutschland zu leben. Er kann sich gar keinen anderen Ort mehr als zu Hause vorstellen, weil er sich hier ein komplettes Leben mit seiner Familie aufgebaut hat. Das einzige, was er unglaublich vermisst und dem er sehr hinterhertrauert ist sein Kindheitsfreund Vlatco Horoniz, welchen er in Kroatien zurücklassen musste. Als wir ihn fragten, was für ihn typisch kroatisch oder donauschwäbisch ist, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Meine Mama. Die Mama hat immer donauschwäbisches Goulasch und Strudel gemacht. Darin schlägt sie niemand.“ Sein zu Hause ist für ihn seine Familie und deshalb ist er in Deutschland auch besonders dankbar für seine sechs Enkel, seine zwei Kinder und seine Frau.

TUNJAY

AUS DER TÜRKEI

In einem gemütlichen Restaurant am Boxhagener Platz direkt im Berliner In-Bezirk Friedrichshain treffen wir Tunjay, auch TJ genannt. Gedämpftes Licht und alte Möbel zeichnen sein Restaurant „Elfida“ aus, in dem man entspannt mediterrane Speisen und Cocktails genießen kann.

WIE KAMST DU NACH BERLIN?

Der heute 31 Jahre alte Geschäftsführer und Barkeeper des Restaurants kam vor 25 Jahren aus der Türkei nach Berlin. Sein Vater war im Rahmen der Arbeitsimmigration von einem deutschen Unternehmen angeworben worden. Nach und nach kamen fünf von TJ's Geschwistern und als letztes seine Mutter und er selbst nach Berlin.

WAS HAT SICH VERÄNDERT?

Der heute 31 Jahre alte Geschäftsführer und Barkeeper des Restaurants kam vor 25 Jahren aus der Türkei nach Berlin. Sein Vater war im Rahmen der Arbeitsimmigration von einem deutschen Unternehmen angeworben worden. Nach und nach kamen fünf von TJ's Geschwistern und als letztes seine Mutter und er selbst nach Berlin.

WAS VERBINDEST DU MIT DEUTSCHLAND?

In der Grundschule lernte Tunjay schließlich deutsch. In seiner Klasse mit anderen Türken, aber auch Jugoslawen und Arabern konnte noch keiner die Sprache sprechen. Als er am Berliner Flughafen mit sechs Jahren ankam, dachte er noch deutsch sei ein merkwürdiger Dialekt. Nicht nur die Sprache war merkwürdig, das Klima und die Mentalität waren ganz anders. In der Türkei kommt das Leben vor der Arbeit, es ist einfacher und entspannter. In Deutschland dagegen ist die Mentalität der Leute strenger, alle halten sich an die Regeln und sind stets pünktlich. Aus Erfahrung gelten heute noch die klischeehaften deutschen Tugenden als „typisch deutsch“ für TJ, genau so wie die unzähligen deutschen Rechtsparagraphen.

DEUTSCH ODER TÜRKISCH?

An Berlin liebt er heute die Liberalität. Seiner Meinung nach kann jeder sein wie er möchte, jeder kann sich in Berlin ausleben, alles wird akzeptiert. Sein Geheimrezept gegen Heimweh ist Reisen, egal ob in die Heimat circa zweimal im Jahr oder beispielsweise nach Paris und Rom. Nach zwei oder drei Wochen jedoch fehlt ihm Berlin sehr, es ist heute seine Heimat , auch wenn er nicht hier geboren wurde. Er selbst fühlt sich als Türke, in Trabzon aber gilt er als der „Gedeutschte“ der Allemangi. Er weiß selbst genau, wer er ist, dennoch ist er in der Türkei der Deutsche und in Deutschland der Türke.

EIN BEISPIEL FÜR GUTE INTEGRATION?

Als wir Tunjay gefragt haben, ob er sich hier in Deutschland integriert fühlt, stimmt er erst einmal zu, sagt aber, dass er das Wort Integration nicht mag. Integration ist für ihn ein Wort, das man vielfältig deuten kann: „Wenn Integration bedeutet, dass ich Lederhosen tragen und Currywurst essen muss, dann bin ich nicht integriert.“. Er spricht die Sprache, kennt und versteht die Kultur, weiß, dass alles sehr bürokratisch ist und man sich strenger an Gesetze halten muss. Integration für ihn bedeutet das miteinander Leben in Deutschland und in diesem Punkt ist er ein sehr gutes Beispiel.

IGOR

AUS BRASILIEN

Sommer, Sonne, 40 Grad – Im Gegensatz zum mitteleuropäischen Herbst genoss unser Azubikollege Igor Vieira de Lima Gaigher in den vergangenen drei Wochen traumhaftes Wetter im Kreise seiner brasilianischen Familie im Land des Fußballs. Vor 11 Jahren wanderte der heute 21-Jährige aus der ostbrasilianischen 40.000-Einwohner-Ortschaft Nova Venécia in die europäische Großstadt-Metropole – vom lateinamerikanischen Sommer in den grauen und kalten deutschen Winter. Über seine ersten Erfahrungen mit Schnee, die Herkunft seines für Brasilien untypischen Vornamens, die wichtigsten Dinge in seinem Leben und sein Rezept für einen guten Caipirinha berichtet er in dem folgenden Interview.

SEIT WANN BIST DU HIER?

Nachdem meine Mutter bereits 1 Jahr in Deutschland arbeitete und ich bei meiner Oma in Novavenecia lebte, kam sie zurück und fragte mich, ob ich sie begleiten möchte. Im Winter 2002 kamen wir in Deutschland an. Ich kann mich noch genau an die Faszination „Schnee“ erinnern, welche jedoch nicht lange anhielt.

WARUM BIST DU HERGEKOMMEN?

Auf Deutschland aufmerksam wurden wir durch meine Tante, die zuvor in Berlin heiratete. Des Weiteren hat man hier bessere Chancen sich schulisch weiterzubilden und angemessene berufliche Perspektiven. Brasilien, mit all seinen schönen Seiten, ist ein armes Land mit korrupter Regierung. Es gibt keine Mittelschicht, nur arm oder reich. Entweder wohnst du in der Favela (auf Hügel gebaute Hütten) oder hast eine Wohnung in einem Hochhaus bzw. ein Haus auf dem Land. Wenn sich nichts ändert, sehe ich keine Möglichkeit zurückzugehen.

WAR DEUTSCHLAND DEIN WUNSCHZIEL?

Bevor ich hier ankam, wusste ich nichts über Deutschland. Ich habe meiner Mutter vertraut und sie ein Jahr später begleitet.

VERLUSTE & GEWINNE?

In Brasilien musste ich das für mich Wichtigste im Leben zurücklassen, meine Familie und Freunde. In Deutschland fand ich neue Freunde, die ich mittlerweile wie meine eigene Familie schätze und die Möglichkeit, meinen zukünftigen beruflichen Weg zu gestalten.

WAS IST TYPISCH DEUTSCH/BRASILIANISCH?

Typisch „Deutsch“, das steht für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Die Brasilianer sind leidenschaftliche Köche und Fußballspieler, darüber hinaus immer freundlich und gut gelaunt, egal welche äußeren Faktoren auf sie einwirken.

WILLST DU IN DEUTSCHLAND BLEIBEN?

Vorstellen kann ich es mir, mein Traum ist es jedoch nach abgeschlossener Ausbildung in Deutschland weiter berufliche Erfahrung zu sammeln, um anschließend in Brasilien ein gastronomisches Gewerbe zu führen.

WAS TUST DU GEGEN HEIMWEH?

Bei Kummer rede ich mit meiner Mutter, da wir hier zusammen leben und immer füreinander da sind. Sie würde gerne zurück nach Brasilien, die momentane Situation lässt dies aber leider nicht zu.

WAR ES FÜR DICH SCHWER DEUTSCH ZU LERNEN?

Anfangs konnte ich kein einziges Wort Deutsch, jedoch hatte ich das Glück in einer europäischen Schule auf Deutsch und Portugiesisch unterrichtet zu werden. Ich lernte die Sprache relativ schnell. Dadurch das meine Mutter die deutsche Sprache nicht allzu gut beherrscht, kommunizieren wir zuhause auf Portugiesisch.

NANA

AUS GHANA

Nana, eine hübsche junge Dame, erwartet uns freudig in der Haustür und nach einer herzlichen Umarmung wandern unsere Blicke umgehend auf die große Schuhsammlung in ihrer Wohnung. Dank ihrer Zustimmung für das Interview gewährt sie uns an diesem Nachmittag nicht nur einen aufregenden Einblick in ihre Schuhregale, sondern auch in ihr Leben.

ANKUNFT UND ORIENTIERUNG

Nach dem Nanas Eltern bereits vor ihrer Geburt nach Deutschland ausgewandert, aber später wieder in ihr Herkunftsland zurückgekehrt sind, haben sie beschlossen nun doch mit der damals 3-jährigen Nana und ihrer großen Schwester ein neues Leben in Deutschland zu beginnen. „Nana coco!“ („Oma ich will Kakao!“) schrie Nana am Flughafen, als sie bemerkte, dass sie mit ihrer Hautfarbe in Deutschland in der Minderheit war. Zwar ist sie nun, 23 Jahre später, in Deutschland noch immer in der Minderheit und wurde aus diesem Grund bereits unter anderem von radikalen Fußballfans beschimpft, jedoch weiß diese kämpferische Frau damit umzugehen und setz sich deshalb mit Kampfeswillen für die „Freiheit“ der Dunkelhäutigen ein. Schon in der Schule habe sie bessere Deutschnoten als ihre Mitschüler gehabt, umso störender empfinde sie es, wenn Menschen sich über ihre Deutschkenntnisse wundern. Die Schulzeit verbrachte sie bis zum Abi in Essen, wo nun auch ihre Mutter und ein Teil ihrer Schwestern leben. Modeljobs und der Wunsch nach neuen Erfahrungen zogen Nana jedoch in die deutsche Hauptstadt. Hier wohnt sie alleine in ihrer modern eingerichteten Wohnung und ist begeistert von der „facettenreichen Stadt“, die aber wie sie sagt, ebenso grau und einsam sein kann wie New York.

WAS IST FÜR DICH HEIMAT?

Auf die Frage, was Nana als Heimat bezeichnen würde, antwortet sie nach kurzem Überlegen: „Das ist für mich eigentlich mehr so ein Gefühl. Heimat ist für mich da, wo Leute sind, die ich leiden kann. Das ist für mich Heimat.“

WAS TUST DU GEGEN HEIMWEH?

Wenn sie dann mindestens einmal pro Woche das Heimweh nach Ghana überkomme, versuche sie in den stark „verwestlichten“ afrikanischen Restaurants in sich ein Gefühl von afrikanischer Lebensfreude aufleben zu lassen, bemerkt aber, dass ausschließlich ein Flug nach Ghana ihr Heimweh wirklich mindern kann. Da ihr Vater bereits als einziges Familienglied wieder in Ghana wohne, verbindet sie ihr Geburtsland insbesondere mit ihrem Vater, aber auch mit „gutem Essen und guter Laune“. In Ghana habe ihr Vater beim Deutschen Roten Kreuz gearbeitet und gelte dort aufgrund seines hohen Alters als „weiser Mann bei dem man sich gerne Ratschläge abholt“. Als selbst ernannte Kosmopolitin plant auch Nana ihren Lebensabend in Ghana zu verbringen.

ALT WERDEN IN GHANA

Meinen Lebensabend, den würde ich glaub ich schon gerne in Ghana verbringen, weil alt zu sein in Ghana ist so viel schöner als alt zu sein in Deutschland. Ich sehe das heute an meinem Vater. Er ist jetzt 80 und halt ein alter Mann mit Krückstock, hat weiße Haare, einen weißen Bart und hier in Deutschland ist man komplett aus der Gesellschaft ausgeschlossen, aber in Ghana ist er der Weise. Er ist der Älteste, alle kommen zu ihm und sein Haus ist immer voll. Es kommen immer kleine Kinder, irgendwer ist immer im Haus und klebt ihm da am Rockzipfel und alle wollen Geschichten hören oder brauchen Rat. Und in Ghana sind die Ältesten ein wichtiger, ein wertvoller Bestandteil der Gesellschaft und der Kultur. Also wenn ich alt wäre, würde ich lieber in Ghana leben als hier.

KULTUR UND RELIGION

In unserem Interview fragen wir Nana auch nach der Kultur Ghanas und anschließend nach Merkmalen der deutschen Kultur. Der momentan angesagte Tanz in Afrika sei der „Asonto“ und spiegelt die so stark von ihr vermisste Lebensfreude der Afrikaner gut wieder. Traditionelle afrikanische Kleidung trage sie, wie viele andere auch, nur selten, da hier durch die Kolonialzeit und die Globalisierung sich eine Verwestlichung bemerkbar mache. Die Landessprache „Twi“ beherrscht Nana nicht vollständig, da auch hier Einflüsse der englischen Sprache den Wortschatz prägen.

TYPISCH DEUTSCH

Typisch deutsch empfindet sie vor allem „Kohlroulade, Sauerkraut, Kartoffeln und Bratensoße“ und verwundert uns im Anschluss ebenso mit der Aussage: „Ich liebe an Deutschland, dass alle immer Schiss haben“. Was sie genau damit meint, möchten wir genauer erfahren. Sie erzählt uns, dass sie zwar das Bewusstsein für die deutsche Nazi-Vergangenheit für äußerst lobenswert hält, es jedoch übertrieben findet, wenn patriotische Menschen sofort in die nationalsozialistische Ecke gedrängt werden. „Es gibt keine gesunde Balance“ kritisiert sie.

ZUKUNFSPLÄNE

Vorerst möchte sie jedoch ihr BWL- und Theologie Studium beenden, um im Anschluss in der Jugend-und Gemeindearbeit tätig sein zu können.

BIROL

AUS DER TÜRKEI

WAS HAT DICH NACH DEUTSCHLAND GEFÜHRT?

Die Geschichte von Birol Yetkin, 51, beginnt 1972, als er nach Deutschland kam. Mit acht Jahren haben ihn seine Eltern aus der Türkei zu sich geholt, wo sie im Berliner Stadtteil Wedding lebten. In seinem damaligen Umfeld wuchs er mit gleichaltrigen türkischen Jugendlichen auf. Durch den einseitigen Umgang fiel es ihm schwer die Deutsche Sprache zu lernen und hatte somit auch in der Schule Schwierigkeiten Freunde zu finden sowie den Schulstoff zu verstehen. Leider, so sagt er heute, hat er in Hinblick auf seine Bildung damals oft die falschen Entscheidungen getroffen und vernachlässigte Gedanken an die Zukunft.

WELCHE SCHWIERIGKEITEN HATTEST DU?

Heute sieht er vieles ganz anders und ist mit seiner Frau, die er in der Türkei kennenlernte, bereits seit 11 Jahren verheiratet. Doch die Zukunft in Deutschland stand keinesfalls fest. Die ersten zwei Jahre nach der Hochzeit hatten sie mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Tochter seiner Frau, seine Stieftochter Cemre, durfte lange Zeit nicht einreisen und in Deutschland bleiben. Erst nach 3 Jahren konnte das Aufenthaltsrecht vor Gericht erwirkt werden.
Um das zu erreichen, hat Birol viel Arbeit auf sich genommen. Insgesamt hat er in dieser Zeit teilweise drei Jobs an einem Tag ausgeübt. Tagsüber verdiente er sein Geld als Koch, ab 23 Uhr kamen dann Nachtschichten als Reinigungskraft auf ihn zu. Mittlerweile konnte er aufgrund zunehmender privater Anfragen vor rund 3 Jahren eine eigene Reinigungsfirma aufbauen, die er zusammen mit seiner Frau betreut. Es ist kein großes Unternehmen, das soll es auch nicht werden. Es ist genug für ein angenehmes Leben. „Wenn ich meinen Kopf auf mein Kissen lege, habe ich Ruhe.“, sagte er lachend.

WIE GEHT ES DEINER TOCHTER HEUTE?

Tochter Cemre besucht mittlerweile die 12. Klasse einer Sekundarschule und absolviert im nächsten Jahr ihr Abitur. Nach 8 Jahren in Deutschland spricht sie die Sprache fließend und kann sogar ihren Vater ab und zu grammatikalisch verbessern. Mit Büchern, Sprachkursen und der Umgangssprache in der Schule hat sie sich ihre sprachlichen Fähigkeiten größten Teils selbst angeeignet. Auch die Lehrer unterstützten und förderten sie in ihrer Entwicklung.

WAS VERMISST DU AUS DEINER HEIMAT?

Auf die Frage was sie aus ihrer Heimat am meisten vermissen, antwortet Birol sofort: die Herzlichkeit. „Wenn du in der Türkei auf der Straße irgendjemanden ansprichst und etwas fragst, klopft er dir auf die Schulter und umarmt dich. Das ist normal. Wenn du hier auf der Straße irgendjemanden Fremden genau so behandeln würdest, würden sie dich fragen was das soll oder die Polizei rufen, das könnte ich mir auch vorstellen.“ Für sie ist es wichtig ihre Kultur auch hier bestmöglich auszuleben, so leben sie ihre Religion und zelebrieren ihre Feiertage. Obwohl ihm die Bezirke Neukölln und Wedding auf Grund der stark vertretenden arabischen Kultur seine Heimat ein Stück näher bringen, fühlt er sich dort nicht wohl. „Neukölln und Wedding sind anders. Dort ist es nicht wie in der Türkei.“ Aus diesem Grund fliegen seine Tochter und seine Frau mindestens einmal im Jahr für mehrere Wochen zu ihrer Familie. Er selbst war leider seit längerem nicht mehr dort.

FÜHLST DU DICH HIER WOHL?

Insgesamt fühlt sich die Familie in Deutschland sehr wohl und gut integriert. Allerdings schließen sie eine Rückkehr in die Türkei nicht aus, schon allein wegen ihrer dort lebenden Familie.